Das neue Flag-Schiff von Nokia heißt n900: ein Handy, das fast alle Funktionen bietet, die man von einem modernen Smartphone erwarten würde. Einen ausführlichen Testbericht überlasse ich an dieser Stelle meinem Bruder. Was mich interessiert: der Preis.
Die Fakten
- Die in Deutschland erhobene Mehrwertsteuer (auf Mobiltelefone) beträgt 19 Prozent.
- In den USA gibt es keine einheitliche Mehrwertsteuer. Vergleichbar wäre die Sales Tax, die je nach Bundesstaat zwischen 0 und 10 Prozent beträgt.
- Es gibt keinen allzu großen Unterschied zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Durchschnittseinkommen.
- Nokia ist ein finnisches Unternehmen.
- Finnland gehört nicht zu den Vereinigten Staaten von Amerika.
Der Preis
Will man in Deutschland das n900 kaufen, so zahlt man dafür zurzeit noch ca. 520 Euro. Bis vor einigen Tagen waren es noch 40 Euro mehr, was wohl daran lag, dass der Nokia-Shop und Amazon das Handy exklusiv im Angebot hatten. Ab morgen bekommt man es in unzähligen Shops.
Die Amerikaner dürften bei dem Preis leicht schmunzeln. Sie können das Handy für 529 Dollar kaufen. Beim aktuellen Wechselkurs sind das 385 Euro – oder auch 26 Prozent weniger.
Ein Erklärungsversuch
Zunächst könnte man versuchen, den Preisunterschied durch die unterschiedlichen Steuersätze zu erklären. Bei 6 Prozent Sales Tax liegt der Nettopreis in den USA bei 363 Euro. In Deutschland sind es immerhin noch 437 Euro. Der Unterschied ist also nicht mehr ganz so groß.
Das Mobilfunknetz könnte ein weiterer Grund für den Preisunterschied sein. Denn wer das n900 kauft, will auch online-Dienste nutzen. So ist eine vernünftige Internetverbindung zwingend erforderlich. In den USA ist UMTS noch immer nicht so weit wie bei uns. Die Netzabdeckung ist nicht überall gut und die Geschwindigkeit nicht vergleichbar mit dem, was wir über HSDPA erreichen. Andererseits ist man in puncto WLAN ein ganzes Stück weiter. In den Foren auf maemo.org äußerte sich ein Mitglied dazu mit “I don’t use 3G here in Canada or the US (it costs too much and Wifi is everywhere)”.
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Für 144 Euro kommt man noch nicht in die USA. Alleine der Zeitaufwand wird durch den Preisunterschied schon nicht gerechtfertigt. Was aber, wenn man zufällig einen Urlaub dort geplant hat? Was, wenn man Besuch aus den Staaten erwartet?
Zunächst zur rechtlichen Situation: Elektronikartikel aus den USA nach Deutschland einzuführen kann teuer werden. Je nach Gerät werden bis zu 14 Prozent Zoll fällig. Auf den Zollpreis (Anschaffungskosten + Zoll) kommt dann noch die Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) von 19 Prozent. Bei Mobiltelefonen wird allerdings kein Zoll erhoben, es bleibt also nur die EUSt. Handelt es sich um ein Gerät für den privaten Gebrauch oder um ein Geschenk und liegt der Warenwert unter 430 Euro, so entfällt selbst diese. Wer also bloß an ein Exemplar des n900 denkt, der dürfte keine weiteren Kosten erwarten.
Vor dem Kauf sollte man dennoch kurz innehalten. Die Tastatur der US-Version hat ein leicht verändertes Layout. Umlaute, sowie unser “ß” fehlen, dafür ist Platz für vier Pfeiltasten (in der deutschen Version werden die Tasten “links” und “rechts” erst duch einen Umschalter zu “hoch” und “runter”). Für Menschen, die auf Umlaute verzichten können, hat die US-Version also eher Vorteile.
Das Betriebssystem ist ebenfalls englisch. Da es sich aber um eine Linux-Distribution handelt, dürfte dies – wenn gewünscht – einfach zu beheben sein. Auch die WLAN-Kanäle (in den USA andere als in Europa) könnten Probleme verursachen, die aber ebenfalls durch Anpassungen an der Software lösbar sein sollten.
Fazit
Das n900 ist teuer. Bisher fehlte mir der Vergleich zu anderen Smartphones mit ähnlichen Fähigkeiten. Die Möglichkeiten scheinen durch das Betriebssystem unbegrenzt, was aber nicht heißt, dass Android und Co. da nicht mithalten können.
Für mich stellt sich bei der bevorstehenden Reise nach New York die Frage: Kaufe ich mir das n900, ohne zuvor etwas das Motorola Milestone selbst getestet zu haben, oder kaufe ich, wie ursprünglich geplant ein Netbook, bei dem ich ähnliche Preisvorteile erziele? Beides lässt der deutsche Zoll nicht zu.